Geist: Religiöse Bildung und Sprachfähigkeit als wichtiger „Hoffnungsdiskurs“
Wien (epdÖ) – Der evangelische Religionsunterricht ist nach Überzeugung des Wiener Superintendenten und Schulamtsleiters Matthias Geist ein wichtiger Ort für Persönlichkeitsbildung, Dialog und demokratische Kultur. „Der evangelische Religionsunterricht ist eine Oase im Schulalltag. Unser Unterrichtsformat gibt jungen Menschen in unsicheren Zeiten die Chance, Vertrauen zu entwickeln und Fragen über Gott und die Welt zu stellen“, erklärt Geist. Zum Beginn des neuen Schuljahres wünscht er in einer Aussendung der Superintendentur Wien allen Schulanfängern „wunderbare Erfahrungen, Mut und Freude!“
Für Geist vermittle der Religionsunterricht nicht nur Wissen über die eigene Kirche und den christlichen Glauben, sondern fördere die Fähigkeit, unterschiedliche Überzeugungen wahrzunehmen, zu reflektieren und miteinander ins Gespräch zu bringen. Der Religionsunterricht schaffe dafür einen geschützten Raum innerhalb des Schulalltags und sei damit auch ein Teil des so wichtigen „Hoffnungsdiskurses“ einer Gesellschaft.
Gerade angesichts religiöser und weltanschaulicher Vielfalt sei es wichtig, junge Menschen zu einem respektvollen und zugleich kritisch-reflektierten Umgang mit unterschiedlichen Überzeugungen zu befähigen, so Geist. Genau deswegen sei die ökumenische und interreligiöse Arbeit an der Basis so wichtig, weil sie die „Brennpunkte unseres gelebten Miteinanders in den Blick“ nehme und neue Formen erprobe, die „den Religionsunterricht enorm aufwerte“. Darin sieht der Superintendent auch einen konkreten Beitrag der Evangelischen Kirche zur Demokratie. „Wir wollen die Wachsamkeit gegenüber jeder Form von Ausgrenzung und Diffamierung fördern und damit Demokratie und Rechtsstaat stärken“, betont Geist.
Kirchenrätin Kallinger: Relevanz des Religionsunterrichts in einer Zeit der Krisen
Im Interview mit der aktuellen Ausgabe der evangelischen Monats-Zeitung „SAAT“ zum Thema Religionsunterricht betont Kim Kallinger, Kirchenrätin für Bildung, wie wichtig der Brückenschlag zwischen Religionsunterricht und Pfarrgemeinden ist. „Das ist für beide Seiten eine wichtige Schnittstelle“, so Kallinger. „Wir versuchen, den Religionsunterricht in die Pfarrgemeinde einzubinden, dass zum Beispiel die Pfarrperson in die Schule kommt.“ Diese Verbindung zwischen Pfarrgemeinde vor Ort und dem Religionsunterricht wolle man in Zukunft noch ausbauen.
Auf die Frage, ob der Religionsunterricht in einer Zeit multipler Krisen an Relevanz gewinne, antwortet die Kirchenrätin: „Absolut! Wir merken das vor allem bei großen Krisensituationen in der Schule, wenn etwa eine Lehrkraft verstirbt. Die erste Person, die dann um Unterstützung angesprochen wird, ist die Religionslehrerin oder der Religionslehrer.“ Genauso wie für Superintendent Geist stellt der Religionsunterricht auch für Kallinger eine Oase im Stress und Trubel einer Schule dar. Ja, weil die jungen Menschen mit ihren Fragen im Mittelpunkt stehen. Viele von ihnen bauen Vertrauen auf zu der Person, die Religion unterrichtet.“
Das gesamte Interview mit Kirchenrätin Kim Kallinger finden Sie in der September-Ausgabe der „SAAT“, die Sie hier bestellen können.