Michael Chalupka über den Tod und den Trost
Es passiert. Das Leben steht still. Gerade noch war alles in Bewegung. Alles war im Fluss, war unbeschwert und heiter. Betriebsam, rastlos, vielleicht ein wenig lärmig und störend drängt der Tag voran. Aber auf einmal diese Stille, wenn uns die Nachricht erreicht, dass ein Leben zu Ende gegangen ist. Es geschieht jeden Tag an vielen Orten. In Österreich stirbt alle sechs Minuten ein Mensch. Der Tod ist mitten unter uns. Leise und nur dort, wo Menschen von uns gehen, die in der Öffentlichkeit gestanden sind, nehmen wir Notiz davon.
Diese Stille ist kaum zu ertragen. Und der Abschied braucht Zeit. Auch der Trost braucht Zeit. Trost, der zu früh kommt, geht am Ziel vorbei. Denn nichts wird mehr, wie es früher war. Alles wird anders. Das Land, das hinter der Trauer liegt, zeigt sich noch nicht am Horizont. Der Trost, der im Glauben liegt, ist noch ferne Verheißung, wenn es in der biblischen Offenbarung heißt: „Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid, noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.“ Es braucht Zeit, bis diese Verheißung gehört werden kann in der tosenden Stille des Verlusts.
Und es braucht jemanden, der bereit ist, einfach da zu sein. Der einem den Arm um die Schulter legt und bei einem bleibt, um das Unerträgliche zu ertragen. Es braucht wen, die mit einer weint und eine spüren lässt, das Leben ist nahe.