<h3>Grünwidl: „Die Melodie des Evangeliums zum Klingen bringen“</h3>
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<p>Wien (epdÖ) – Bei einem Festgottesdienst im Wiener Stephansdom wurde Josef Grünwidl am Samstag, 24. Jänner, zum Erzbischof von Wien geweiht. Papst Leo XIV. hatte Josef Grünwidl im Oktober 2025 offiziell zu Christoph Schönborns Nachfolger ernannt.</p>
<p>Kardinal Schönborn legte beim Gottesdienst seinem Nachfolger an der Spitze der Erzdiözese Wien die Hände auf und weihte ihn zum Bischof. Nachdem dies auch alle anderen anwesenden 28 katholischen Bischöfe getan hatten, erhielt Grünwidl seine bischöflichen Insignien (Mitra, Ring und Bischofsstab) und wurde zu seinem Bischofssitz (Kathedra) geführt. Dort nahm er Platz und übernahm damit für alle sichtbar die Leitung der Erzdiözese.</p>
<p>In seiner Predigt wünschte Schönborn dem neuen Erzbischof ein „hörendes Herz“ und die „Gabe der Weisheit und Unterscheidung“. „Was ein hörendes Herz für dich bedeutet, das bezeugen so viele Menschen aus den Pfarren, in denen du tätig warst“, bekräftigte der Kardinal. Ein hörendes Herz höre auf dreierlei: „auf Gott, auf das eigene Gewissen, auf die Menschen“, hob Schönborn hervor. Nach 30 Jahren im bischöflichen Dienst könne er sagen, so Schönborn, dass die Gabe der Unterscheidung bei weitem die wichtigste Gabe in jedem Amt der Leitung sei. „Man nennt diese Gabe auch Weisheit“. Und im Blick auf die Schriftlesung des Weihegottesdienstes sagte der Kardinal: „Gott verspricht König Salomon ein ‚weises und verständiges Herz‘. Und das erbitten wir auch dir, lieber Erzbischof Josef.“</p>
<p>In seinem Dienst als Erzbischof gehe es darum, „Gottes Melodie, die Partitur des Evangeliums im eigenen Leben und in vielen anderen zum Klingen bringen“, sagte Josef Grünwidl. Jede und jeder einzelne sei dabei ein tragender, wichtiger Ton, „und gemeinsam bringen wir die Melodie Gottes, sein Liebeslied, sein Protestlied und sein österliches Hoffnungslied zum Klingen“.</p>
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<div id="attachment_214215" class="wp-caption alignnone landscape size400x276"><div class="post-image"><img decoding="async" src="https://evang.at/wp-content/uploads/2026/01/260124_oekumene-weihe-erzbi…; srcset="https://evang.at/wp-content/uploads/2026/01/260124_oekumene-weihe-erzbi… 2000w, https://evang.at/wp-content/uploads/2026/01/260124_oekumene-weihe-erzbi… 400w, https://evang.at/wp-content/uploads/2026/01/260124_oekumene-weihe-erzbi… 1400w, https://evang.at/wp-content/uploads/2026/01/260124_oekumene-weihe-erzbi… 220w, https://evang.at/wp-content/uploads/2026/01/260124_oekumene-weihe-erzbi… 768w, https://evang.at/wp-content/uploads/2026/01/260124_oekumene-weihe-erzbi… 1536w"
sizes="(max-width: 2000px) 100vw, 2000px" /></div><p class="wp-caption-text">Zahlreiche Segens- und Glückwünsche erhielt der neue Erzbischof auch von den Vertreter:innen der Ökumene. (Foto: Erzdiözese Wien / Stephan Schönlaub)</p></div>
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<p>Wie Grünwidl unterstrich, freue er sich auch sehr über die Teilnahme so vieler Vertreterinnen und Vertreter der Ökumene und anderer Glaubensgemeinschaften. „Gerne gehe ich mit auf dem Weg der ökumenischen Neugier und Lernbereitschaft, gerne bringe ich mich auch ein in den interreligiösen Dialog, in großer Dankbarkeit für unser gutes Miteinander“, so der Erzbischof.</p>
<h3>Politik und Ökumene zahlreich vertreten</h3>
<p>Neben zahlreichen Vertreter:innen der Kirchen und Religionen nahmen auch die höchsten Repräsentanten der Republik an der Bischofsweihe teil. Unter den Mitfeiernden waren Bundespräsident Alexander Van der Bellen, Bundeskanzler Christian Stocker, Wiens Bürgermeister Michael Ludwig und Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner. Weiters waren etwa auch die Regierungsmitglieder Claudia Bauer (vormals Plakolm) und Gerhard Karner sowie Grünen-Chefin Leonore Gewessler gekommen.</p>
<p>Zahlreich vertreten war auch die Ökumene. Die Vertreter:innen der Kirchen sprachen gemeinsam ein Segenswort, von den Evangelischen Kirchen wirkten hier die lutherische Bischöfin Cornelia Richter, der reformierte Landessuperintendent Ralf Stoffers und der methodistische Superintendent Stefan Schröckenfuchs mit.</p>
<p>Mit dabei waren beim Festgottesdienst aus dem Kreis der in der Ökumene verbundenen Kirchen u.a. auch der Vorsitzende des Ökumenischen Rates, der armenisch-apostolische Bischof Tiran Petrosyan, die altkatholische Bischöfin Maria Kubin, der orthodoxe Metropolit Arsenios Kardamakis oder auch der koptische Bischof Anba Gabriel sowie Präses Peter Zalud als Vertreter der Freikirchen. Gekommen waren zudem der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich, Ümit Vural, und der Präsident der Buddhistischen Glaubensgemeinschaft, Gerhard Weissgrab. Auch Vertreterinnen und Vertreter der Alewiten, der Hinduistischen Religionsgesellschaft, der Sikhs und Bahai nahmen teil.</p>
<p>Grünwidl habe „sehr viele Zeichen“ der Verbundenheit und Gesprächsbereitschaft gesetzt, sagte Bischöfin Cornelia Richter nach dem Gottesdienst. Sie zeigte sich von einem sehr guten Miteinander der Konfessionen überzeugt und unterstrich: „Für die Ökumene erwarte ich nur Gutes.“ Der neue Erzbischof sei eine „beeindruckende“ und „sehr menschliche“ Persönlichkeit. Grünwidl sei jemand, „der wirklich auf die Menschen zugeht und mit ihnen lebt“, so die Bischöfin.</p>
<p>Glück- und Segenswünsche für den neuen Erzbischof übermittelte schriftlich auch der Wiener Superintendent Matthias Geist. „Wir sind uns sicher, dass der gemeinsame Weg in Ökumene, interreligiösem Dialog und gesellschaftlicher Verantwortung mit dem neuen Erzbischof besonders gut gelingen wird“, betonte der Superintendent.</p>