Michael Axmann: „Neue Ideen zu ermöglichen, ist mir wichtig“

<h3>„SAAT“-Interview mit dem steirischen Superintendentialkurator</h3>
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<p>Wien (epdÖ) – Seit November 2015 ist Michael Axmann Superintendentialkurator der Steiermark. Im Interview mit der „SAAT“ blickt der Rechtsanwalt auf die vergangenen zehn Jahre dieser ehrenamtlichen Tätigkeit zurück.</p>
<p><em>SAAT: Was hat sich in den letzten zehn Jahren in der Evangelischen Kirche in der Steiermark verändert?</em></p>
<p>Michael Axmann: Die erste Zeit war durch die Feierlichkeiten „500 Jahre Reformation“ geprägt. Da hat unsere Kirche in der öffentlichen Wahrnehmung und intern profitiert. Aktuell stehen die Arbeiten mit dem Stellenverteilungskonzept im Mittelpunkt. Es ist damit zu einer Aufwertung der diözesanen Ebene gekommen.</p>
<p><em>In den letzten Jahren gab es neue Ideen, z.B. ökumenische Pop-Up-Churches. Sie waren bei einer Fußwaschung am Gründonnerstag aktiv beteiligt. Weshalb?</em></p>
<p>Neue Ideen zu ermöglichen und zu unterstützen, ist mir wichtig. Ein offenes, unbeschwertes und vielleicht überraschendes Auftreten der Kirche kann Gespräche ermöglichen. Die Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung in Deutschland und Untersuchungen der Uni Wien zeigen, dass bei jungen Menschen verstärkte Offenheit für religiöse Fragen besteht. Zudem wissen wir, dass der Religionsunterricht und der Konfi-Unterricht prägender für das spätere religiöse Leben sind als die Familien. Es gilt, diese Chancen zu nützen.</p>
<p><em>Viele Menschen in der Kirche sind ehrenamtlich tätig – so auch Sie. Wie lässt sich das mit Ihrem Beruf als Rechtsanwalt verbinden?</em></p>
<p>Die Arbeitsmenge führt dazu, dass ich manchmal unzufrieden bin, wenn ich nicht für alles Zeit habe. So geht es vielen, die sich in der Kirche engagieren. Durch die starke Stellung der Ehrenamtlichen profitiert unsere Kirche von deren Kompetenzen und Erfahrungen aus vielen beruflichen Bereichen.</p>
<p><em>Inwieweit können Sie Ihre berufliche Expertise in der Kirche einbringen?</em></p>
<p>Als Rechtsanwalt habe ich mit Unternehmenssanierungen zu tun. Das nützt bei den gegenwärtigen Herausforderungen. Vor einer Neuaufstellung haben viele Angst. In der Umsetzung erkennt man aber, dass damit ein optimistischer Aufbruch verbunden sein kann. Wir müssen uns strukturell immer an die gegenwärtige Situation anpassen. Reformation ist nicht etwas, das einmalig im 16. Jahrhundert stattgefunden hat und damit erledigt ist.</p>
<p><em>Was ist besonders schön für Sie als Superintendentialkurator?</em></p>
<p>Bereichernd sind die wunderbaren Begegnungen in den Pfarrgemeinden. Bei der Vielfalt der theologischen Traditionen geht einem das Herz auf. Natürlich ergeben sich dadurch auch Diskussionen. In den Synoden und in der Superintendentialversammlung einen Ausgleich zu finden, ist Teil der schönen Aufgabe.</p>
<p><em>Werfen wir einen Blick in die Zukunft: Wie wird die Evangelische Kirche 2036 aussehen?</em></p>
<p>Die Gabe der Prophetie ist mir nicht gegeben. Der allgemeine gesellschaftliche Strukturwandel trifft die Kirchen vermutlich weiter. Die Menschen sind nicht mehr bereit, sich längerfristig zu binden. Projektbezogenes, befristetes Engagement wird bevorzugt. Insofern hat sich eine neue Form der Mitgliedschaft in der Realität längst verwirklicht. Jetzt gilt es, dies auch in den Kirchengesetzen abzubilden.</p>
<p><em>Ist die Kirche zu „teuer“ – Stichwort Kirchenbeitrag?</em></p>
<p>Das ist eine individuell zu beantwortende Frage. Wenn 80% unserer Mitglieder ihren Kirchenbeitrag bezahlen, aber das Angebot kaum nützen, heißt das, dass die Kirche den Menschen etwas bedeutet. Es stellt sich die Frage, wie wir mit ihnen stärker in Verbindung treten können.</p>
<p><em>In der Steiermark gibt es die Besonderheit, dass der Superintendentialkurator den Vorsitz in der Superintendentialversammlung führt. Welche Erfahrungen haben Sie damit?</em></p>
<p>Es ist ein Signal an die Ehrenamtlichen. Ein Pfarrer hat in den 1980er Jahren den Antrag gestellt, diese Regelung einzuführen. Es ist klar zu unterscheiden zwischen Vorsitzführung und Diskussionsbeitrag. In der Steiermark ergeben sich vor allem für den Superintendenten Vorteile in den Diskussionen.</p>
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