Bischöfin will Evangelische Kirche sichtbarer machen

Richter: „Gemeinschaftsraum, in dem Menschen eine Heimat finden“

Wien (epdÖ) – Die Evangelische Kirche in Österreich muss nach Ansicht ihrer Bischöfin Cornelia Richter in der Öffentlichkeit noch sichtbarer werden, und zwar als „Gemeinschaftsraum, in dem Menschen sich wohlfühlen können, in dem sie eine Heimat finden“. Das betreffe vor allem diejenigen, die jung und dynamisch seien, etwas verändern wollten, aber woanders gar nicht die Form fänden, weil ihnen dort vielleicht niemand zuhöre – so die Bischöfin am Samstag, 28. März, im Interview mit dem ORF-Landesstudio Wien.

Die Welt sei derzeit von Unsicherheit betroffen, es gebe Kriege und Krisen, die Menschen seien verunsichert. In solchen Zeiten, in denen alles zu zersplittern drohe, sei es wichtig, Gemeinschaftsräume zu finden, „wo man miteinander über die Unterschiede hinweg gemeinsame Interessen hat“. In der Kirche könne man sich jetzt vor Gott stellen und sagen „Es ist ziemlich schwierig, aber wir halten zusammen.“

Pfarrgemeinden: Orte des „anders miteinander umgehen“

In der Kirche könne man gerade jetzt gemeinsam herausfinden, wo man im Kleinen für Frieden und Versöhnung sorgen könne. Pfarrgemeinden seien Orte, an denen man anders miteinander umgehen und sehen könne, „dass das Räume der Verlässlichkeit sind, dass da Menschen sind, mit denen man redet“. Räume, von denen man einfach wisse, „die gibt es und da kann ich hingehen. Und ich glaube, dass das in diesen Zeiten schon relativ viel ist“, betonte Richter.

Richter – seit Herbst 2025 Bischöfin – erzählte auch über die räumlichen Distanzen, die ihr Amt mit sich bringt: Habe sie sich als Theologieprofessorin in Bonn nur rund um die Universität bewegt („Die Wege waren so zehn Minuten auseinander“), musste sie nun lernen, sich quer durch Österreich zu bewegen, „das heißt, der Radius ist viel, viel, viel größer“. Da habe sie ihr Zeitmanagement anpassen müssen. „Aber es ist wunderschön. Das Land ist so schön, es ist großartig.“

Bei ihrer Rückkehr von Deutschland nach Österreich habe es sie zudem erstaunt, wie „fantastisch“ hier die ökumenische Zusammenarbeit funktioniere. Das habe sie so nicht erwartet, sagte Richter. Es gebe aber „Luft nach oben“, wo „der Vatikan ins Spiel kommt“, bemerkte die Bischöfin und nannte in dieser Hinsicht die immer noch nicht mögliche gemeinsame Abendmahlsfeier. Auf evangelischer Seite stehe die Türe dazu offen.

Die Botschaft von Ostern folgt aus dem Karfreitag

Auf das Osterfest angesprochen sagte die Bischöfin, sie habe nichts gegen den Osterhasen bzw. den Osterrummel. Dies sei schließlich auch Ausdruck von Fröhlichkeit. Sie wolle aber den Menschen gerne mitgeben, dass Ostern umfassender sei. „Das Osterfest beginnt ja nicht einfach nur am Ostermorgen, sondern hat die Vorgeschichte der Passion und es ist die Zeit, in der wir über Leben und Tod nachdenken. Die Botschaft von Ostern folgt aus dem Karfreitag, dass man nämlich durch Leid und Tod hindurch neues Leben sehen kann. So eröffnen sich wirklich neue Lebensperspektiven.“

Das Interview kann nach Ausstrahlung eine Woche lang hier nachgeschaut werden.