<h3>Michael Chalupka über ein Geschenk für die Evangelische Kirche</h3>
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<p>„Als ich Kind war, waren Gastarbeiterkinder Ziel von Diskriminierung. In der Folge entstand nicht nur das deutsche Wirtschaftswunder, sondern auch Mischwesen, wie ich eines bin.“ Dieses Zitat stammt von Sandro Mattioli, einem bekannten deutschen Bestsellerautor, der über seine Kindheit in Württemberg schreibt. Mein Vater ist aus dem ehemaligen Jugoslawien nach Österreich gekommen. Sich als „Mischwesen“ zu fühlen, prägt für’s Leben.</p>
<p>Andrea Mattioli, die Schwester von Sandro, wird heute in ihr Amt als Superintendentin der Evangelischen Kirche in Kärnten eingeführt. „Mein Vater war italienischer Gastarbeiter und hat im Kaltwalzwerk Ungethüm gearbeitet,“ erzählt sie. Sie weiß, was es heißt, im Schichtbetrieb schweißtreibende Arbeit zu verrichten, sich Anerkennung erst erarbeiten zu müssen. Diese Prägung ist ein großes Geschenk für die Evangelische Kirche. Mit Andrea Mattioli übernimmt eine Frau Verantwortung, die Armut kennt, die weiß, wie sich Diskriminierung anfühlt und sich zwischen allen Milieus zu verständigen weiß.</p>
<p>Für die Evangelische Kirche ist die neue Superintendentin eine große Freude, weil sie Praktikerin der Nächstenliebe ist. Ihre familiären Wurzeln – der katholische Vater, die Mutter evangelisch – sind die beste Vorbereitung.</p>
<p>Ihre Geschichte schenkt allen Mut, die glauben, dass Herkunft kein Schicksal ist und dass Glaube mitten im Leben stattfindet.</p>