Diakonie und weitere Sozialorganisationen schickten offenen Brief an Bildungsminister Wiederkehr
Wien (epdÖ) – In einem offenen Brief an Bildungsminister Christoph Wiederkehr übt die Diakonie gemeinsam mit anderen Sozialorganisationen Kritik an der Reform der inklusiven Bildung. Dem Schreiben vom 5. Mai, dem Tag der Inklusion, zufolge drohe die Reform zu scheitern. Bisherige Entwürfe zum Rechtsanspruch auf ein 11. und 12. Schuljahr für Jugendliche mit Behinderung, Änderungen bei Lehrerausbildung und Sonderpädagogischem Förderbedarf (SPF) verdienten nach Ansicht der Organisationen eher das Prädikat „inklusionshemmend“.
Die Folge einer Überlastung an den Schulen seien immer öfter reduzierter Schulbesuch, Suspendierungen und Schulabstinenz. Die Organisationen forderten eine sofortige Notfinanzierung bzw. mehr Ressourcen für den Herbst, eine Anhebung des SPF-Deckels an den tatsächlichen Bedarf und eine Personaloffensive und betonten: „Es braucht jetzt klare Entscheidungen statt weiterer Ankündigungen.“
Sorge vor Fortschreibung der Strukturen
Behindertenrat, Diakonie, Lebenshilfe und Integration Österreich fordern vom Bildungsminister „konkrete, rechtsverbindliche Regelungen“ für mehr Inklusion, andernfalls bestehe „die Gefahr, dass unter dem Titel der Reform bestehende segregierende Strukturen fortgeschrieben oder sogar verfestigt werden“.
Konkret fordern die Organisationen, dass ein Rechtsanspruch auf das 11. und 12. Schuljahr auch einen Zugang zur Sekundarstufe II (Polytechnische-, Berufs-, Berufsbildende mittlere und höhere Schule/BMHS, AHS-Oberstufe) bedeutet. Ein verlängertes Schulbesuchsrecht dürfe nicht dazu führen, dass Schülerinnen und Schüler bloß länger in segregierenden Strukturen verbleiben.
Bei der Neukonzeptionierung des umstrittenen SPF, der je nach Bundesland ganz unterschiedlich vergeben wird, sieht der Lösungsvorschlag laut den Organisationen eine Unterscheidung in „behindert genug“ und „nicht behindert genug“ vor. Die Ressourcen müssten aber „flexibel, bedarfsorientiert und ohne stigmatisierende Hürden“ vergeben werden. In der Lehrerausbildung sollte außerdem Inklusive Pädagogik aus Sicht der Behindertenverbände verbindlich in Aus-, Fort- und Weiterbildung aller Lehrkräfte verankert werden und nicht nur als Spezialthema einzelner Sonderpädagoginnen und -pädagogen.