Superintendent Geist: Gesellschaft braucht Feiertage zum Innehalten
Wien (epdÖ) – Die österreichische Regierung werde am bewährten Modell des konfessionellen Religionsunterrichts nicht rütteln. Das hat Kultusministerin Claudia Bauer am 27. April beim Osterempfang im Bundeskanzleramt betont. Vor den Vertreter:innen der Kirchen und Religionsgemeinschaften kritisierte Bauer, dass der Religionsunterricht dieser Tage durch den Europarat und damit auch das „bewährte österreichische Modell“ wieder in Frage gestellt wurde.
Dem bereits traditionellen „Empfang zur Osterzeit“ war ein Arbeitsgespräch der Spitzenvertreterinnen und -vertreter der gesetzlich anerkannten Kirchen und Religionsgesellschaften mit Ministerin Bauer vorausgegangen. Dabei informierte die Ministerin auch über das Ansinnen von zwei Bekenntnisgemeinschaften – die „Pfingstkirche Gemeinde Gottes in Österreich“ und die „Frei-Alevitische Glaubensgemeinschaft in Österreich“ – die den Status der gesetzlichen Anerkennung anstreben.
Österreich brauche die Kirchen und Religionsgemeinschaften mehr denn je als „Brückenbauer, Vorbilder und Stimmen der Versöhnung und der Hoffnung“, zeigte sich Bauer überzeugt. „Sie erreichen den Menschen dort, wo Politik selbst nicht hinkommt. Sie haben eine Stimme mit Gewicht“, sagte sie in Richtung der anwesenden Religionsvertreter:innen. „Was uns in dieser Runde verbindet – über alle Konfessionen hinweg, ist das gemeinsame Vertrauen auf einen Sinn des Lebens. Es ist die Sicherheit, dass es etwas gibt, das größer und wichtiger ist als wir selbst. Und es ist der gemeinsame Auftrag, sich für den Frieden einzusetzen“, so die Ministerin.

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Die Gesellschaft brauche das österliche Hinschauen und Wahrnehmen, bekräftigte Superintendent Matthias Geist. (Foto: Paul Wuthe / Kathpress)
Karfreitag und Ostern
Der evangelische Superintendent Matthias Geist ging beim Empfang auf den biblischen Bericht von den Begegnungen des Auferstandenen mit Maria Magdalena ein. Diese erkennt Jesus Christus, weil er sie beim Namen angesprochen habe. Diese existentielle Erfahrung sei bedeutsam für das Zusammenleben. „Der Mensch wird Mensch, wo er nicht übersehen oder funktionalisiert wird“, unterstrich Geist. Dazu bekräftigte er: Die Gesellschaft brauche das österliche Hinschauen und Wahrnehmen. „Es braucht Räume des Innehaltens. Das ist und will auch der Karfreitag sein.“ Die Gesellschaft brauche diese Unterbrechung des Alltags und des Innehaltens – „dazu sind Feiertage da“, gab der Wiener Superintendent zu bedenken.
Ostern ohne Karfreitag wäre eine Illusion, eine billige Vertröstung, zeigte sich der katholische Linzer Bischof Manfred Scheuer überzeugt. Der Karfreitag ohne Auferstehung wäre andererseits aber eine einzige Katastrophe. Es wäre fatal, wenn das Christentum nur noch als symbolischer Klebstoff in der Gesellschaft dienen würde, erklärte Scheuer in seiner Ansprache beim Empfang im Kongresssaal des Bundeskanzleramtes. Eine Hoffnung ohne Mitleid mit den Schwachen, ein Glaube an die Auferstehung ohne Solidarität mit den Leidenden und Toten wäre hohl und leer. Mit bloßen Forderungen, Kommandos, Postulaten würden die Hungrigen noch nicht gespeist, mit Wunschträumen die Wunden noch nicht geheilt, mit Programmen allein gebe es noch keine Versöhnung, so der Vize-Vorsitzende der katholischen Bischofskonferenz.
Notwendiger denn je sei es, „zusammen mit dem Handeln das Gebet, die Spiritualität, den ökumenischen und interreligiösen Dialog als Wege des Friedens und als Formen der Begegnung zwischen Traditionen und Kulturen zu pflegen“, sagte Scheuer. Heute sei es mehr denn je nötig, „durch aufmerksame und fruchtbare pastorale Kreativität zu zeigen, dass der Friede keine Utopie ist“.
Der griechisch-orthodoxe Metropolit Arsenios Kardamakis ging auf die gesellschaftliche Bedeutung des christlichen Auferstehungsglaubens ein. Als ein Ereignis des siegreichen Lebens über den Tod, schenke Ostern Hoffnung und sei „die Offenbarung des Sinnes der menschlichen Existenz“. In einer Welt, die von Konflikten, Unsicherheit, Hass und Kriegen geprägt sei, „tritt die Auferstehung Christi als Antwort hervor, die die Grenzen menschlicher Möglichkeiten übersteigt“, so Kardamakis. Der Vorsitzende der orthodoxen Bischofskonferenz hob die Verantwortung der Kirchen und Institutionen der Gesellschaft hervor, sich „unablässig für den Frieden und die Wahrung des internationalen Rechtes, das den größtmöglichen Schutz aller Menschen im Hier und Jetzt gewährleisten soll, einzusetzen“.
Zum Osterempfang bzw. dem Arbeitsgespräch gekommen waren u.a. von evangelischer Seite Bischöfin Cornelia Richter, Synoden-Vizepräsident Peter Stockmann, der evangelisch- methodistische Superintendent Stefan Schröckenfuchs, Oberkirchenrätin Eva Lahnsteiner, Pfarrerin Karoline Rumpler, der Wiener Superintendent Matthias Geist, die Superintendentialkuratorinnen Petra Mandl und Christa Grabenhofer, Diakonie-Rektor Wolfgang Ernst und EJÖ-Vorsitzender Lukas Hauser.