Ostern – und die Kunst, an das Unmögliche zu glauben

Julia Schnizlein über ein „Pionierwerk Gottes“

Die großen Irrtümer der Geschichte beginnen oft mit großer Gewissheit. Mit Sätzen wie: „Das geht nicht.“ „Das war noch nie so.“ Oder: „Das wird nie funktionieren.“ Das klingt vernünftig. Nach Erfahrung. Nach gesundem Menschenverstand. Und doch zeigt die Geschichte: Menschen können sich sehr sicher sein – und gleichzeitig völlig danebenliegen.

Stellen Sie sich vor, jemand hätte vor 300 Jahren gesagt: „Eines Tages steigen wir in eine Metallröhre, fliegen durch die Luft und trinken dabei Tomatensaft.“ Man hätte gelacht und nach einem Arzt gerufen. Heute buchen wir ganz selbstverständlich Flüge.

Oder stellen Sie sich vor, jemand hätte damals gesagt: „Das Herz eines Menschen kann im Körper eines anderen weiterschlagen.“ Im mildesten Fall hätte man „Blasphemie“ gerufen. Heute retten Herztransplantationen jedes Jahr tausenden Menschen das Leben.

Noch vor 50 Jahren war ein Computerpionier felsenfest überzeugt: „Es gibt keinen Grund, warum jemand einen Computer zu Hause haben wollte.“ Heute tragen Milliarden Menschen einen kleinen Computer in ihrer Hand- oder Hosentasche.

Im Rückblick lässt sich über solche Irrtümer leicht lachen. Aber für die Menschen, die Neues wagen, war und ist es alles andere als leicht. Sie müssen gegen Spott ankämpfen, gegen Widerstände, gegen die Überzeugung der Mehrheit. Wer neue Wege geht, muss sich anhören: „Lass das. Mach dich nicht lächerlich.“ Denn wir Menschen hängen erstaunlich hartnäckig an dem, was wir für sicher halten. Und wenn jemand kommt und sagt: „Vielleicht geht es auch anders“, reagieren wir nicht mit Neugier, sondern mit Abwehr.

Der Ökonom John Kenneth Galbraith hat einmal geschrieben: Wenn Menschen vor der Wahl stehen, ihre Meinung zu ändern – oder zu beweisen, dass das nicht nötig ist –, entscheiden sich die meisten für Letzteres.

Dabei verdankt die Welt so vieles ausgerechnet jenen Menschen, die genau das Gegenteil getan haben. Menschen, die gefragt haben: Muss das wirklich so bleiben? Menschen, die geglaubt haben, dass mehr möglich ist, als wir denken. Ohne sie gäbe es keine moderne Medizin, keine Flugzeuge, kein Internet und keine Gleichberechtigung.

Jede große Veränderung beginnt damit, dass jemand den Mut hat, Gewissheiten in Frage zu stellen – und das scheinbar Unmögliche zu wagen.

Lange Zeit gehörte auch der Tod zu diesen Gewissheiten. Wer tot ist, bleibt tot. Ende der Geschichte. Am Karfreitag schien genau das bestätigt: Jesus war tot. Hingerichtet. Seine Bewegung gescheitert.

Und dann kommt Ostern.

Da stehen Frauen am Grab und sehen: „Das Grab ist leer!“ – „Jesus lebt!“ Und man kann sich vorstellen, wie andere reagieren: „Völlig unmöglich. Das ist ja lächerlich!“

Und doch halten die ersten Christinnen und Christen daran fest: Jesus lebt. Viele haben genau das erfahren und bezeugt. Sie spüren es – bis heute. Der Bann des Todes ist gebrochen. Christus ist der Erste, der den Tod hinter sich gelassen hat, der eine Grenze überschritten hat, die bis dahin absolut war. Seitdem glauben Menschen weltweit, dass unser letzter Atemzug nicht das Ende unserer Geschichte ist.

Wenn man so will, ist Ostern ein Pionierwerk Gottes. Ein Durchbruch. Ein großes „Es geht doch.“ Und deshalb ist Ostern weit mehr als ein schönes Frühlingsfest. Ostern ist der radikalste Widerspruch gegen den Satz: „Da kann man nichts machen.“

Ostern sagt uns: Es ist mehr möglich, als du glaubst.
Und nichts – gar nichts – muss für immer so bleiben, wie es ist.

Nicht die Welt.
Nicht deine eigene Geschichte.
Nicht einmal der Tod.