Michael Chalupka über die Friedensappelle des Papstes
„Der Papst? Wie viele Divisionen hat der denn?“ Mit diesen Worten verhöhnte Josef Stalin im Jahre 1935 den Vatikan und sprach diesem jede außenpolitische Bedeutung ab. Neunzig Jahre später ist die Sowjetunion Geschichte.
Der Papst hingegen ist das Oberhaupt von Millionen Katholiken weltweit und findet sich derzeit in einer für ihn wohl ungewohnten und unerwünschten Rolle wieder. Er wird zur Zielscheibe der Polemik des US-amerikanischen Präsidenten. Der Papst zeige Schwäche gegenüber Verbrechern und sei außenpolitisch unfähig.
Was hat Trump zu seinem Wut-Posting gegen Papst Leo veranlasst? Nachdem der Kriegsminister der US-Regierung Pete Hegseth dazu aufgerufen hatte, für einen militärischen Sieg der Truppen im Nahen Osten „im Namen Jesu Christi jeden Tag auf gebeugten Knien“ zu beten, meinte der Papst, Gott erhöre die Gebete derer, die Krieg führen, nicht, und Drohungen gegen das iranische Volk seien inakzeptabel.
Von den Angriffen Donald Trumps zeigte sich der Papst wenig beeindruckt. Er fürchte sich nicht vor Trump, „als Christen müssen wir für die Schwächsten einstehen.“ Dass ihm der Vizepräsident und Neo-Katholik J.D. Vance noch ausrichten ließ, er möge seinen Job machen und das Evangelium predigen, wird der Papst wohl als Auftrag sehen, weiter gegen den Krieg zu sein, steht doch im Evangelium: „Selig sind die Friedensstifter.“ Das Evangelium lässt sich nicht einschüchtern.
Bildquelle: depositphotos.com