Villach: Aufruf zu Mitgefühl und Verantwortung in ökumenischem Gottesdienst

Superintendentin Mattioli: Karfreitag gibt menschlichem Leid Raum und Würde

Villach / Wien (epdÖ) – Der Karfreitag sei ein Tag, „an dem man innehält, nicht nur individuell“, so die evangelische Superintendentin der Diözese Kärnten-Osttirol, Andrea Mattioli, am Karfreitag (3. April) bei einem ökumenischen Gottesdienst in der evangelischen Kirche Villach-Nord. Sie gestaltete den Gottesdienst gemeinsam mit dem römisch-katholischen Kärntner Diözesanbischof Josef Marketz, übertragen wurde er live in Radio Kärnten.

Der Karfreitag gebe menschlichem Leid Raum und Würde, „indem wir nicht darüber hinwegfeiern und die schweren Seiten des Lebens als einen Störfall betrachten, der eigentlich nicht sein darf“, unterstrich die Superintendentin. Sie sei überzeugt, „dass wir diesen Raum brauchen und das Innehalten heilende Kraft entfalten kann. Jesu Leid löst das nicht auf, sondern stellt uns in das Licht Gottes. Es stellt uns in seine Nachfolge, in die Nachfolge des Auferstandenen.“ Was letztlich zähle und bleibe, sei die Liebe, „die uns zu Verantwortung ruft und zum Widerstand gegen herrschendes Unrecht. Im festen Vertrauen, dass diese Liebe letztlich siegt.“

Marketz: „Nicht nur mitleidiges Bedauern, sondern echtes Mitfühlen“

Der Karfreitag sei kein Tag des Ausweichens, sondern biete die Möglichkeit, Schmerz und Ungerechtigkeit bewusst wahrzunehmen, betonte Bischof Marketz in seiner Ansprache. Die Passionsgeschichte führe vor Augen, wie Jesus leide, und fordere dazu heraus, „nicht nur mitleidiges Bedauern, sondern echtes Mitfühlen“ zu zeigen, so Marketz. Der Bischof betonte auch die ökumenische Dimension: Das Kreuz sei „das Zeichen unserer Erlösung“, zugleich aber „ein Zeichen des äußersten Leidens“, das alle Christinnen und Christen verbinde.

Den letzten Ruf Jesu – „Es ist vollbracht“ – deutete Marketz als Zeichen der Hoffnung. Dieser sei „kein resigniertes Ende, sondern der Sieg der Liebe Gottes, die alles Leid verwandelt“. Deshalb bleibe der Karfreitag „trotz der Dunkelheit ein Tag der Hoffnung“.

Mattioli: Gottesdienste am Karfreitag noch immer gut besucht

Gegenüber der „Kleinen Zeitung“ vom Karfreitag betonte Superintendentin Mattioli, dass es die evangelischen Pfarrgemeinden noch immer ins Herz treffe, dass dieser Tag für Evangelische und Altkatholiken seit 2019 kein gesetzlicher Feiertag mehr sei. Auch der Sager des damaligen Kanzlers Sebastian Kurz – für 96 Prozent der Österreicher ändere sich nichts – schmerze noch immer, so die Superintendentin. In den Gemeinden habe der Tag zugleich nichts an der Bedeutung verloren: Die Gottesdienste am Karfreitag zählten noch immer zu den meistbesuchten des Jahres.