<h3>Gottesdienst des Ökumenischen Rates der Kirchen in Wien</h3>
<p><span id="more-214181"></span></p>
<p>Wien (epdÖ) – Im Zeichen der Verbundenheit mit dem Judentum und geprägt vom Bekenntnis zum unbedingten Einsatz gegen jede Form von Antisemitismus stand am 17. Jänner der Gottesdienst des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) anlässlich des „Tags des Judentums“ in der armenischen Hripsime-Kirche in Wien-Landstraße.</p>
<p>Ohne Judentum gäbe es kein Christentum, erklärte der Wiener armenisch-apostolische Bischof und ÖRKÖ-Vorsitzende Tiran Petrosyan vor zahlreichen Gläubigen und Vertreter:innen der Kirchen. Die Christen müssten sich dessen stets bewusst sein. Demütig gelte es, voneinander und miteinander zu lernen und entschlossen gemeinsam für den Frieden und gegen Antisemitismus aufzutreten.</p>
<p>Gemeinsam mit Petrosyan wirkten u.a. am Gottesdienst mit die lutherische Bischöfin Cornelia Richter, Oberkirchenrätin Ingrid Bachler, der reformierte Pfarrer Thomas Hennefeld, der altkatholische Altbischof Bernhard Heitz, die methodistische Pastorin Antje Klein, der rumänisch-orthodoxe Bischofsvikar Nicolae Dura, der orthodoxe Militärseelsorger Alexander Lapin und der syrisch-orthodoxe Chorepiskopos Emanuel Aydin. Die Predigt hielt der Wiener römisch-katholische Diözesanbeauftragte für christlich-jüdische Zusammenarbeit, Dechant Ferenc Simon.</p>
<h3>„Lasst uns Gott lernen“</h3>
<p>Der Gottesdienst stand unter dem biblischen Motto „Lasst uns Gott lernen“ aus dem biblischen Buch Hosea. Simon griff diese Aussage in seiner Predigt auf. „Glauben heißt lernen. Ein Leben lang.“ Das bedeute, Gott „im Leben zu suchen, im Handeln, im Umgang mit anderen Menschen“, bekräftigte der Dechant. Für das Judentum sei dieser Gedanke zentral. Gott zu lernen bedeute, „sein Wort immer wieder neu zu hören, es auszulegen, darüber zu ringen, es im Alltag umzusetzen“, hob Simon hervor und fügte hinzu: „Lernen hört nie auf. Auch Zweifel, Fragen und Unruhe gehören dazu.“</p>
<p>Und genau hier berührten sich jüdischer und christlicher Glaube, wie Simon bekräftigte, „denn auch wir Christen sind Lernende. Auch wir stehen nicht am Ende, sondern auf dem Weg. Unser Glaube ist aus derselben Quelle hervorgegangen. Israel ist die Quelle, aus der auch wir schöpfen. Nicht Vergangenheit, sondern lebendige Gegenwart.“ Jesus selbst habe aus dieser Quelle gelebt. „Er hat die Psalmen gebetet. Er hat die Schrift ausgelegt. Er hat im Glauben Israels Gott gelernt. Und er hat uns gezeigt, dass Gotteserkenntnis immer mit Liebe verbunden ist – mit Barmherzigkeit, mit Nähe zu den Menschen, mit Verantwortung füreinander“, unterstrich der Dechant.</p>
<p>Der Gottesdienst wurde vom ÖRKÖ gemeinsam mit dem Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit verantwortet. Für die erkrankte Präsidentin des Ausschusses, Regina Polak, ergriff ihr Vorgänger in diesem Amt, Martin Jäggle, das Wort. In der Zwischenzeit hätten viele Christinnen und Christen zu verstehen begonnen, dass ihr Glaube untrennbar mit dem Judentum verbunden sei. Auch das Bewusstsein der Schuld, welche die Kirchen durch eine jahrhundertelange antijüdische Tradition auf sich geladen hat, wachse.</p>
<p>Allerdings dürften sich die Kirchen nicht zurücklehnen, so Jäggle, denn jüdisches Leben in Österreich sei von einem breit akzeptierten Antisemitismus bedroht. Dagegen müssten die Kirchen gemeinsam mit der Zivilgesellschaft auftreten. Zudem würden sich in den Kirchen immer noch antijüdische Stereotype und Ressentiments finden. Dies verpflichte die Kirchen, den Weg der Buße und Neubesinnung entschlossen weiterzugehen, so Jäggle. Mehr denn je gelte es, „den spirituellen und theologischen Reichtum Israels als Fundament unseres eigenen Glaubens neu zu entdecken“.</p>
<p>Der „Tag des Judentums“ wird in ganz Österreich jährlich am 17. Jänner mit verschiedenen Veranstaltungen und Gottesdiensten begangen.</p>