Kaiserlich

<h3>Michael Chalupka über Bedeutung und Schönheit der Magnolie</h3>
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<p>Bald passiert es. Noch ragt sie senkrecht empor. Der Stiel ist violett und die Spitzen zartrosa. Nur mehr wenige Sonnenstrahlen, dann springt die Blüte der Magnolie auf, erfreut das Auge, kündet vom Frühling, entführt uns in die Urzeit der Welt und lässt uns zum Kaiser von China werden.</p>
<p>Die Magnolie ist eine der ältesten Pflanzenarten der Welt. Ob die Dinosaurier einen Blick für die Schönheit der Blüten hatten, wissen wir nicht, doch kann man davon ausgehen, dass sie sie zum Fressen gern hatten.</p>
<p>Folgt man der traditionellen chinesischen Medizin, haben sie auch etwas für ihre Gesundheit getan. Die Wirkstoffe der Magnolie sind entzündungshemmend. In den kaiserlichen Gärten der Verbotenen Stadt in Peking galt die Magnolie als Symbol für Reinheit, Anmut und Adel. So sollen besonders prächtige Arten den kaiserlichen Gärten vorbehalten gewesen sein.</p>
<p>Allerdings nur so lange, bis französische Botaniker asiatische Magnolien mit karibischen kreuzten und Anfang des 19. Jahrhunderts die Tulpenmagnolie hervorbrachten, die jetzt in unseren Parks und Gärten wächst.</p>
<p>Die Schönheit der Magnolie wurde so demokratisiert. Wir alle können über Gottes Schöpfung staunen, und mit der Bibel sagen: „Er hat alles schön gemacht zu seiner Zeit“, – oder uns einfach kaiserlich fühlen. Doch die Magnolie holt uns schnell wieder in den Alltag zurück. Ihre Blüte währt kurz. Aber sie kommt wieder und mit ihr die Schönheit.</p>