50 Jahre lutherisch-europäische Zusammenarbeit von Kirche und Judentum

LEKKJ-Präsident Wöhle: „Gesellschaftlichen Politisierungen und Polarisierungen etwas entgegensetzen“

Straßburg (epdÖ) – Anlässlich ihres 50-jährigen Bestehens traf sich vom 28. Mai bis zum 2. Juni die Lutherische Europäische Kommission Kirche und Judentum (LEKKJ) in Straßburg. Mit dabei waren Teilnehmende aus insgesamt 13 Ländern als Vertreterinnen und Vertreter ihrer jeweiligen lutherischen Kirchen sowie jüdische Teilnehmende und Rabbiner aus Deutschland, Frankreich, Luxemburg, Schweden, Israel und Australien. Aus Österreich nahm der langjährige LEKKJ-Delegierte Pfarrer Roland Werneck aus Wels teil.

Bei der Eröffnungsveranstaltung waren Vertreterinnen und Vertreter der Stadt Straßburg, des Oberabbinates sowie der protestantischen Kirchen in Frankreich anwesend. Zudem wurde der diesjährige LEKKJ-Preis für besondere Verdienste im Christlich-Jüdischen Gespräch verliehen. Der Preis ging an Serge Wüthrich als Anerkennung für dessen Beitrag zu den Beziehungen zwischen den Religionen in Frankreich.

Thematisiert wurde bei dem Treffen auch die aktuelle Zunahme antijüdischer Vorfälle in Europa, die mit der Gewalt im Nahen Osten in Verbindung gebracht wird. „Wir lassen uns nicht auseinanderdividieren und geben nicht auf, den gesellschaftlichen Politisierungen und Polarisierungen etwas entgegenzusetzen“, sagte der Präsident der LEKKJ, Andreas Wöhle, aus den Niederlanden.

Weitgehend Konsens herrschte unter den Anwesenden, dass Antisemitismus eine historische und damit veränderbare Entwicklung sei und weiterhin christlichen Überlegenheitsvorstellungen gegenüber dem Judentum entgegengewirkt werden müsse. „Dialogarbeit braucht einen langen Atem und ist immer auch Arbeit an der eigenen Haltung“, betonte LEKKJ-Vizepräsidentin Ursula Rudnick.

Neben dem Austausch von Länderberichten zum Stand des christlich-jüdischen Miteinanders stand auch der gemeinsame Besuch einer Kabbalat Schabbat Feier und des sonntäglichen Gottesdienstes mit dem Großrabbiner Luxemburgs, Alexander Grodensky, auf dem Programm. Am letzten Tag machte sich die Kommission in die ländliche Umgebung Straßburgs auf, um noch vorhandene Spuren und Orte vergangenen jüdischen Lebens im Elsass zu erkunden.

Die Lutherische Europäische Kommission Kirche und Judentum ist die offizielle europäische Vertretung für den Dialog und die Zusammenarbeit zwischen den lutherischen Kirchen und dem Judentum. Im nächsten Jahr ist das Treffen der LEKKJ in der Slowakei geplant.