GEKE verabschiedet Erklärung zum Schutz vor sexualisierter Gewalt

Europaweiter Sensibilisierungs- und Präventionsprozess in den evangelischen Kirchen

Warschau (epdÖ) – Unter dem Titel „Conference on Safeguarding Measures against Sexualized Violence in Churches“ tagte die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen Europas (GEKE) vom 18. bis 21. Juni 2026 in Warschau. Vertreter:innen aus 40 evangelischen Kirchen kamen dabei zusammen, um Schutzkonzepte zu erarbeiten und den evangelischen Austausch zu fördern sowie Kirchen mit bisher noch wenig Erfahrung im Umgang mit Missbrauch zu unterstützen.

Die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) hat den konsequenten Schutz vor und die Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt als zentrale Priorität verankert. Auf ihrer Vollversammlung hat die GEKE den Rat ausdrücklich beauftragt, einen länderübergreifenden Arbeitsprozess zu initiieren. Im Vorfeld der Konferenz hatte der Rat der GEKE eine Erklärung mit dem Aufruf aller evangelischer Mitgliedskirchen verabschiedet, dem Schutz vor sexualisierter Gewalt hohe Priorität einzuräumen.

Der Rat bedauert geschehenes Unrecht und unterstützt die Resolution 2533 der Parlamentarischen Versammlung des Europarates, welche die umfassende Anerkennung, Aufarbeitung und Wiedergutmachung aller Formen von Missbrauch in staatlichen, privaten und kirchlichen Einrichtungen in ganz Europa fordert. Die Konferenz wurde in Kooperation mit der schweizerischen Guido Fluri Stiftung durchgeführt, die die europäische „Justice Initiative“ ins Leben gerufen hat und 2024 beim Europarat erfolgreich für die Resolution 2533 lobbyiert hat.

„Safeguarding“ sei für die Evangelische Kirche „der Beginn einer Heilung“, sagte der Schweizer Unternehmer und Aktivist gegen Kindesmisshandlung Guido Fluri im Rahmen der Tagung bei einer hybriden Pressekonferenz am 19. Juni mit Blick auf Missbrauchsfälle in der Vergangenheit. „Die Folgen von Missbrauch sind verheerend und dauern ein Leben lang an“, unterstrich Fluri, der seit 2010 die Aufarbeitung historischer Fälle von Kindesmissbrauch in der Schweiz unterstützt. Er sprach sich zudem für die Erarbeitung eines Modells für Kirchen weltweit zur Prävention von Missbrauchsfällen aus.

„Die evangelischen Kirchen sollen voneinander lernen“, bekräftigte Pfarrerin Rita Famos, die geschäftsführende Präsidentin der GEKE sowie Präsidentin der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz. „Es reicht nicht aus, wenn einzelne Kirchen Schutzkonzepte und Meldestellen für Missbrauchsfälle haben, sondern wir müssen das alle als Kirchengemeinschaft haben“, stellte Famos klar. „Europa muss seinen Werten im Umgang mit schutzbedürftigen Menschen gerecht werden“, hob Famos hervor. „Wir gewinnen unsere Glaubwürdigkeit zurück, wenn wir unsere leidenden Mitglieder schützen“, sagte die GEKE-Präsidentin und fügte hinzu: „Ich denke, das ist eine wichtige Erkenntnis, und manchmal brauchen wir Druck von außen.“

In der Aufarbeitung dürften nicht die Kirche geschont werden, „sondern die betroffenen Menschen – und müsse dort hinschauen, wo es wehtut“, erklärte Dorothee Wüst, Kirchenpräsidentin der Evangelischen Kirche der Pfalz, mit Bezug auf Vorwürfe gegen den ehemaligen Präsidenten der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS), Gottfried Locher. Die Vorwürfe führten 2020 zu Lochers Rücktritt und zogen jahrelange Untersuchungen nach sich. „Wir haben eine große Chance, aus Fehlern und Erfahrungen zu lernen und folglich Standards zu erarbeiten“, betonte die Pfarrerin. „Safeguarding“ sei eine wichtige Basis, um in der Zukunft Pfarrgemeinden zu unterstützen, so Wüst.

Die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa umfasst fast 100 Mitgliedskirchen, die rund 40 Millionen Protestanten in Europa vertreten.