Superintendent Geist: Diakonische und seelsorgerliche Wegbereiterin – Gründerin des „Häferl“ verstarb im 85. Lebensjahr
Klagenfurt (epdÖ) – Gerlinde Horn ist tot. Die Gründerin des Wiener „Häferl“ und vielseitig in diakonischen Projekten engagierte langjährige ehrenamtliche Mitarbeiterin in Wien ist am 24. Juli im 85. Lebensjahr verstorben.
„Mit Gerlinde Horn verlieren zahlreiche Menschen in Not eine fürs Leben wertvolle Person, die immer echt, nahbar und voller Zuspruch war“, betonte der Wiener Superintendent Matthias Geist gegenüber dem epd. Geist würdigte Gerlinde Horn als „eine frühe und wesentliche Mentorin“ für die Tätigkeit in der Gefängnisseelsorge. Durch die „grenzgeniale Erfindung und Gründung“ des „Häferl“, das heute von der Stadtdiakonie Wien geführt wird, und ihre nachhaltige Fürsorge sei Horn ungezählten Notleidenden auch persönlich gut bekannt gewesen. Sie begleitete neben Menschen in materieller Armut und seelischer Bedürftigkeit vor allem auch straffällig Gewordene und Untergebrachte des Maßnahmenvollzugs, erinnert Geist. „Dies tat sie auf oft unkonventionelle, aber ehrliche und vertrauensfördernde Weise“, bekräftigt der Superintendent. In Gemeinde, Diözese und Gesamtkirche sei Horn in der „Nachfolge Jesu“ über viele Jahrzehnte mitten im Geschehen der Menschen und somit „unverzichtbar“ gewesen. „So werden wir sie als einzelne und als evangelisches Wien vermissen, ihr Lebenswerk und ihre liebenswürdige Art im Gedächtnis behalten und ihr Zeugnis weitertragen“, so der Wiener Superintendent gemeinsam mit Superintendentialkuratorin Petra Mandl in einem Nachruf.
Horn wurde 1941 in Klagenfurt geboren und trat nach dem Schulabschluss mit 19 Jahren in eine evangelische Schwesternschaft ein, wo ihr Engagement für benachteiligte Menschen begann. Sie war Initiatorin zahlreicher sozialer Projekte wie dem „Häferl“ in Wien, das warme Mahlzeiten an Menschen in Notlagen verteilt und ursprünglich als wichtige Anlaufstelle für Haftentlassene und Freigänger gegründet wurde. Neben ihren Initiativen in Österreich leitete die Preisträgerin des Kärntner Menschenrechtspreises auch Entwicklungsprojekte in Afrika. Zudem veröffentlichte Gerlinde Horn mehrere Bücher im Evangelischen Presseverband, etwa „Interview mit einem toten Fisch“ (2000), „Yao – Mein Afrika“ (2006), „Wo die Wüste aufhört, beginnt der Himmel“ (2007) und „Die Geschichten danach“ (2017). Lyrik, Prosa und szenische Gestaltung wurden so zum Ausdruck ihrer Auseinandersetzung mit den Problemen der Menschen, denen sie begegnete.
Gerlinde Horn hinterlässt ihren Ehemann, den ehemaligen Wiener Superintendenten Werner Horn, sowie fünf Kinder.