Matthias Geist und Josef Grünwidl zu Arbeitsgespräch zusammengetroffen
Wien (epdÖ) – Der Wiener Superintendent Matthias Geist und der Wiener Erzbischof Josef Grünwidl haben bei einem Gespräch am 14. August im Wiener Erzbischöflichen Palais bekräftigt, dass sie die ökumenischen Beziehungen in der Bundeshauptstadt noch intensivieren wollen. Gegenüber der Nachrichtenagentur Kathpress betonten sie die Notwendigkeit, „als Kirchen so eng als möglich zusammenzurücken“, hob Geist hervor.
Natürlich versuche jede Kirche, sei es die Katholische, Evangelische oder Orthodoxe, ihre eigene Identität zu stärken und sich auch zu profilieren, erklärte Grünwidl. Aber zusätzlich brauche es immer stärker auch das Miteinander. Es gelte, als christliche Kirchen gemeinsam Position zu beziehen. Nur mit einer gemeinsam starken Stimme, so das katholische Oberhaupt, werde man auch gut in der Gesellschaft gehört.
Zu den Themen des Gesprächs im Erzbischöflichen Palais zählten u.a. das Projekt des „Campus der Religionen“ sowie Entwicklungen beim Religionsunterricht. Im Religionsunterricht gebe es bereits gute konfessionsübergreifende Modell, die freilich stetig weiterentwickelt werden müssten, sagte Grünwidl.
In Wien gibt es u.a. seit vielen Jahren den sogenannten „dialogisch-konfessionellen“ Religionsunterricht. Sechs christliche Kirchen (katholisch, evangelisch, orthodox, altkatholisch, freikirchlich, neuapostolisch) haben sich darauf geeinigt, dass sie, wenn es die Klassensituation nahelegt, den Religionsunterricht an eine jeweils andere Kirche gleichsam „delegieren“ können. Die Lehrenden müssen dabei verschiedene Lehrpläne beachten. Dieses Modell setzten über 160 Schulklassen in Wien bereits um.
Geist sprach von der „gemeinsamen Seelsorge an Orten, an denen die Gesellschaft uns wirklich braucht“. Ein Beispiel dafür sei die Gefängnisseelsorge, so der Superintendent, der unmittelbar vor dem Termin bei Grünwidl einen Gottesdienst in einer Wiener Justizanstalt gefeiert hat, „und zwar in einer katholischen Kapelle“.
Grünwidl nannte zudem als wichtige ökumenische Bereiche die Telefonseelsorge. Der Erzbischof unterstrich auch die Arbeit von Diakonie und Caritas, die in vielen Bereichen gemeinsame Herausforderungen und Anliegen hätten.
Zur Frage, ob sie auch konkrete Perspektiven für eine Eucharistiegemeinschaft zwischen Evangelischen und Katholiken sehen, wollten sich Geist und Grünwidl zeitlich nicht festlegen. Für Geist sei zentral, „dass wir spirituelle Erfahrungen bzw. Momente der Gotteserfahrung miteinander teilen“. Grundsätzlich bestehe die „ökumenische Neugier“ und die Bereitschaft, auch im spirituellen und im liturgischen Bereich aufeinander zu schauen, voneinander zu lernen und gemeinsam zu feiern, betonte Grünwidl. Dieser Bereich sei zwar immer noch in allen Richtungen ausbaufähig, allerdings zeigte sich der Erzbischof überzeugt: „Wir sind auf einem guten Weg.“