Richter: Glück als „Geschenk“ und „Akt der Gnade“

TV-Sendung „Philosophisches Forum“ widmete sich Fragen nach Glück und erfülltem Leben

Wien (epdÖ) – „Was macht ein erfülltes Leben aus, und braucht es dazu Glück?“ Diesen Fragen stellte sich Bischöfin Cornelia Richter gemeinsam mit anderen Gästen am 27. August in der ORF-Fernsehsendung „Philosophisches Forum“. Moderiert wurde die Sendung von Barbara Stöckl, als Co-Moderator fungierte der Philosoph und Autor Konrad Paul Liessmann.

Es gebe „keine Rezepte dafür, wie man tatsächlich das Glück fixieren kann“, betonte Liessmann. Demgegenüber zitierte er Aristoteles, der das Denken bzw. die Philosophie selbst als größtes Glück sah. Die Philosophin Lisz Hirn äußerte die Überlegung, dass es vielen Menschen an Zeit fehlte, das Glück „beim Schopf“ zu packen. Allerdings könne man Voraussetzungen schaffen, die es „möglicherweise wahrscheinlicher“ machen, diese Gelegenheit wahrzunehmen.

In der Bibel werde Glück „sehr oft als ein Geschenk“ und ein „Akt der Gnade“ empfunden, sagte Richter. Dabei differenzierte sie zwischen Momenten des Glücks und einer anhaltenden Glückseligkeit. Es sei zunächst zwar nicht gesagt, wer die Gnade gibt, „aber dass es etwas ist, das ich nicht einfach nur herstelle“, hob Richter hervor.

Der Ökonom Mathias Binswanger sah die Rolle der Sozialen Medien kritisch, in der sich vermeintlich glückliche Menschen präsentierten. Auf der anderen Seite gebe es Menschen, die ihr Leben nicht derart positiv präsentieren können – „und die schauen sich das an, was auf den Sozialen Medien ist“. Glück werde zudem einerseits in maximaler Freiheit, andererseits in maximaler Sicherheit versprochen, was jedoch als ein Widerspruch erscheine. Dem hingegen sei ein Gleichgewicht aus Freiheit und Sicherheit als Idealvorstellung „ein Zoo mit möglichst weitläufigen Gehegen“, unterstrich Binswanger.

Dem Philosophen und Autor Wilhelm Schmid zufolge gebe es eine von vielen Menschen empfundene „Pflicht“, nach Glück zu streben. „Diese Pflicht zum Glück hat den fatalen Effekt, die Menschen unglücklich zu machen“, so Schmid. Es gehe vielmehr um Sinn. „Sinn entsteht immer durch Beziehung. Alles, was Beziehung ist und dabei länger wird, gibt den Menschen Sinn“, betonte Schmid. Beispiele dafür seien die Freundschaftsbeziehung und „in hohem Maße natürlich“ die Liebesbeziehung, die den Menschen sehr viel Energie bringe. „Aus Beziehungen schöpfen wir Energie“, zeigte sich Schmid überzeugt.

Richter betonte, dass gerade auch in der Zukunft Beziehungen eine sehr große Rolle spielen werden. Dabei brauche es Orte und Räume, wo man dies „explizit leben kann“. Sie selbst bekannte, Glück in der gemeinsamen Feier der Liturgie zu empfinden. „In diesem Feiern wird alles angesprochen, was das Leben umfasst“, erklärte Richter. „Es wird Schuld bekannt, es wird das Unglück benannt, es wird das, was uns belastet und schwer ist, benannt“, so die Bischöfin – und fügte hinzu: „Es wird aber auch Dankbarkeit laut.“

Die Sendung kann bis zum 23. Februar 2027 auf on.orf.at nachgesehen werden.