Ganz einfach

Michael Chalupka über die radikale Schlichtheit des Evangeliums

„Liebe deinen Nächsten!“ war die simple Botschaft, mit der der neugewählte Senator von Texas, James Talarico, seinen Wahlkampf bestritten und schließlich gewonnen hat.

„Das Christentum ist einfach, aber nicht leicht!“ Dieser Satz stammt vom Großvater von James Talarico, der damit das innerste Wesen des christlichen Glaubens auf den Punkt bringt.

Warum einfach? Weil die fundamentale Kernbotschaft Jesu keine komplizierten theologischen Systeme voraussetzt. Sie passt problemlos auf den sprichwörtlichen Bierdeckel: Liebe Gott und deinen Nächsten wie dich selbst. Es geht um Barmherzigkeit, um das Teilen, um das Hinsehen, wo alle anderen wegschauen. Das versteht jedes Kind sofort. Man muss nur lesen können, was Jesus uns sagt. Den Nächsten lieben, die Hungrigen speisen und den Fremden willkommen heißen.

Warum also nicht leicht? Weil diese Schlichtheit zutiefst radikal ist. Sie fordert uns genau dort heraus, wo es wehtut: beim eigenen Ego. Es ist leicht, vom christlichen Abendland zu reden – schwer ist es, sich für die Armen einzusetzen oder ein System zu hinterfragen, das Ungerechtigkeit produziert.

Talarico hat mit dieser Haltung im wertkonservativen Texas politische Gräben überwunden, indem er das Evangelium beim Wort nahm. Er gewann die Herzen der Texaner, weil er zeigte: Wahrer Glaube baut Brücken, keine Mauern. Eine zeitlose Lektion, die weit über Texas hinausreicht.